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Das Programm der 18. Jüdisch-Israelischen Kulturtage steht fast. 2010 lautet das Motto "Israel und Europa".

Letzte Aktualisierung
August 30. 2010 14:35:10 Login

Filmreihe in Weimar

Wo: Kommunales Kino im mon ami, Weimar, Goetheplatz 11

08.11.2010, 20 Uhr:
DER KLANG DER WORTE. Deutsche Sprache in Jerusalem

Eröffnung der Filmreihe mit einem anschließendem Filmgespräch mit dem Regisseur des Films Gerhard Schick.
„Ich bin gar nicht der Meinung, dass Deutsch die Sprache der Mörder ist. Die Mörder haben sich der Sprache bemächtigt, das ist eine andere Sache. Warum soll ich mir die Sprache wegnehmen lassen? Sie ist meine Muttersprache.“ Aus dem Mund von Eva Avi-Jonah klingen diese Sätze selbstbewusst, beinahe herausfordernd. Dabei hätte die 86-jährige gebürtige Wienerin ausreichend Gründe, mit Deutschland, den Deutschen und der deutschen Sprache nichts mehr zu tun haben zu wollen...
Im Mittelpunkt des Films stehen die Zusammenkünfte der Gruppe LYRIS, einem Kreis deutschsprachiger Literaten, der sich einmal im Monat bei Eva Avi-Jonah trifft. Deren Mitglieder und ihre aktuellen literarischen Auseinandersetzungen werden beobachtend begleitet, ihre facettenreichen Herkunftsgeschichten in dichten Interviews erzählt.
D/IL 2008, 74 Min., OmU, Regie/Kamera: Gerhard Schick, Buch/Dramaturgie: Miriam Jakobs, Ton: Effy Krimka, Eyal Liebman, Musik: Moritz Eggert


09.11.2010, 20 Uhr:
KNOWLEDGE IS THE BEGINNING. Daniel Barenboim & the West-Eastern Divan Orchestra

Wenn sich ein syrischer und ein israelischer Jugendlicher in einem Orchester ein Notenpult teilen und außerdem noch ägyptische, palästinensische, jordanische und libanesische Jugendliche mitspielen, dann ist das eine Sensation. Im "West-Eastern Divan Orchestra" passiert genau das. Daniel Barenboim und der Schriftsteller Edward Said haben das ungewöhnliche Ensemble 1999 in der damaligen Kulturhauptstadt Weimar gegründet und seitdem beharrlich fortgeführt. Die Langzeitdokumentation schlägt einen Bogen über fünf Jahre Orchester-Geschichte – von den Anfängen 1999 in Weimar bis zum triumphalen Konzert in Ramallah im Sommer 2005. Daniel Barenboim als israelischer Dirigent und Pianist hat die palästinensische Ehrenstaatsbürgerschaft erhalten. Ein großer Verdienst und einzigartig auf der Welt.
Deutschland 2004, 115 min, OmU, empfohlen ab 14 J.
R/B: Paul Smaczny, K: Niyka Iancso


10.11.2010, 20 Uhr:
KUNST MIT DEN KINDERN ABRAHAMS mit anschließendem Filmgespräch mit Marco Weicholdt und David Wassermann

Zwei Medienstudenten der Bauhaus-Universität Weimar reisten im Oktober 2009 für zehn Tage nach Palästina, um einen Dokumentarfilm über das Projekt „Kunst im sozialen Brennpunkt“ zu drehen. Dabei begleiteten sie 14 Studierende dreier deutscher Hochschulen bei ihrer Arbeit in der „Abrahams Herberge“, einer Begegnungsstätte für Christen, Muslime und Juden. Im Internat der Herberge leben 50 Jungen aus schwierigen Familienverhältnissen, die zusammen mit den deutschen Künstlern malten, sangen und Theater spielten. Der Film zeigt, wie sich die Waisenkinder eines Vororts von Bethlehem in leidenschaftliche Künstler verwandeln. Nach der Filmpremiere findet eine Diskussion mit den zwei jungen Filmschaffenden Marco Weicholdt und David Wassermann statt.
D 2010, 45 min, teilweise OmU, FSK o. A.
R: Marco Weicholdt, David Wassermann


11.11.2010, 20 Uhr:
IM HAUS MEINES VATERS SIND VIELE WOHNUNGEN

Dokumentarfilm über die Jerusalemer Grabeskirche, in der eine weltweit wohl einzigartige Situation herrscht: hier leben griechisch-orthodoxe Christen, römisch-lateinische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten im wahrsten Wortsinn Tür an Tür. Eine muslimische Familie wiederum verwahrt den Schlüssel zur Kirche und schließt die Haupttür morgens auf und abends wieder zu. Wirklich brüderlich geht es in dieser Kirchengengemeinschaft, die seit dem osmanischen Reich besteht, nicht unbedingt zu: Eifersüchtig wachen die einzelnen Religionsgemeinschaften über ihre Anteile, und bei wichtigen Festtagen kommen sie sich mit ihren Prozessionen in die Quere. Allein nachts, wenn die unfreiwillige Wohngemeinschaft in der Kirche eingeschlossen ist, herrscht Frieden und Einigkeit.
D/ CH 2009, 93 min, OmU, FSK o. A.
R/ B: Hajo Schomerus


12., 13. und 14.11.2010, je 20 Uhr:
AJAMI

Tel Aviv-Jaffa, Stadtteil Ajami: In dem armen, vornehmlich arabischen Viertel leben verfeindete Muslime, Christen und Juden als Nachbarn auf engstem Raum. Ausbrüche von Gewalt gehören zum Alltag. Hier breitet das jüdisch-arabische Regisseur-Duo fünf Geschichten unterschiedlichster Menschen kaleidoskopartig vor dem Zuschauer aus. Zum Beispiel ist da Omar, der sich in die junge Hadir verliebt und in einen blutigen Streit mit einer arabischen Familie verwickelt wird. Oder Dando, dessen Leben eine tragische Wendung nimmt, als sein Bruder spurlos verschwindet. Am Ende werden alle mit erbarmungsloser Konsequenz in einen hochspannenden Krimi verwickelt, der alles ändern wird. Eine intensive Erzählung von der unauflöslichen Spirale aus Schuld, Rache und Gewalt. Nominierung für den Oscar 2010 als Bester fremdsprachiger Film.
Israel/D 2009, 120 min, OmU, FSK 16
R/B: Scandar Copti, Yaron Shani, D: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Youssef Sahwani, Ranin Karim